Die Grazer Profi‑Vereine GAK 1902, Graz99ers und SK Sturm Graz veröffentlichten am 21. Oktober 2026 ein gemeinsames Klubstatement als Reaktion auf den angekündigten Abbruch der Sponsoringleistungen durch die Holding Graz GmbH im Auftrag der Stadt Graz. Hintergrund ist ein Maßnahmenpaket der Stadt zur Budgetkonsolidierung; die Holding hat darin mit Wirkung bis zum Ende der Saison 2026/27 die bisherige Sponsoringpraxis für die drei Vereine vorerst ausgesetzt. In einem ersten persönlichen Treffen nach dieser Ankündigung diskutierten Vertreter der Klubs die unmittelbaren finanziellen Folgen für den laufenden Spielbetrieb, die Nachwuchsarbeit und soziale Projekte sowie die nächsten Abstimmungsschritte mit Blick auf Gespräche mit der Stadt. Als erstes gemeinsames Ergebnis legten die Klubs erstmals eine zusammengefasste Übersicht zu sogenannten „Rückflüssen“ an die Stadt vor und betonten, dass diese Darstellung dazu dienen soll, die wirtschaftlichen Verflechtungen und gegenseitigen Leistungen transparenter zu machen.
Die veröffentlichte Gegenüberstellung nennt jährliche Zahlungen wie Kommunalsteuer, Stadion‑ und Eishallenmieten sowie Energiekosten, einen gemeinsam ermittelten Werbewert der Kooperationen für die Holding Graz und die bislang geleisteten Sponsoring‑ und Förderbeträge seitens der Holding bzw. der Stadt an die Vereine. In der veröffentlichten Aufstellung werden die jährlichen Zahlungen an die Stadt mit 2,8 Millionen Euro, der geschätzte Werbewert für die Holding Graz mit 5,3 Millionen Euro und die direkten Sponsoring‑ bzw. Förderbeträge der Holding bzw. Stadt an die drei Klubs mit 905.000 Euro beziffert. Die drei Präsidenten erklärten in ihren Statements eine gemeinsame Argumentationslinie: Die Kooperationen seien primär werbliche Partnerschaften, deren Nutzen sich in Marktpräsenz und kommunikativen Effekten für die Stadt niederschlage, während die Klubs die Mittel in den Spielbetrieb und die Nachwuchsarbeit reinvestieren. Als nächste Schritte vereinbarten die Vereine, Präsidenten‑ und Geschäftsführertreffen zu organisieren und ein offenes Gesprächsangebot an die Stadt Graz in Form eines runden Tisches zu richten.
Auslöser: Angekündigter Sponsoring‑Stopp der Holding Graz
Das Maßnahmenpaket der Stadt Graz zur Budgetkonsolidierung führte dazu, dass die Holding Graz GmbH im Auftrag der Eigentümerin Stadt Graz ankündigte, die bestehenden Sponsorings für GAK 1902, Graz99ers und SK Sturm Graz per Saisonende 2026/27 nicht fortzusetzen. Diese Entscheidung steht im Kontext gesamtstädtischer Sparbemühungen und löste unmittelbar Nachfragen zur Tragweite für die Vereinsarbeit aus.
Die drei Klubs hoben hervor, dass die Maßnahme nicht nur kurzfristige Budgetfragen berührt, sondern potenziell die Finanzierung von Jugendförderprogrammen, Frauenteams und integrativen Angeboten beeinträchtigen könne, weshalb ein persönliches Treffen der Vereinsvertreter als notwendig erachtet wurde.
Treffen der Vereinsvertretungen und vereinbarte Schritte
Nach einer Europacup‑Woche und einem intensiven Ligawochenende trafen sich Vertreter von GAK 1902, Graz99ers und SK Sturm erstmals persönlich, um die konkreten Auswirkungen des Sponsoring‑Stopps zu bewerten. Ziel war, kurzfristige operative Fragen für den Spielbetrieb zu klären, mögliche Sofortmaßnahmen zu sondieren sowie eine gemeinsame Kommunikationsstrategie zu entwickeln.
Als unmittelbares Ergebnis vereinbarten die Klubs, transparent über die finanziellen Beziehungen zwischen den Vereinen und der Stadt Graz zu informieren. Zudem beschlossen sie, in einem nächsten Schritt Präsidenten‑ und Geschäftsführerrunden zu organisieren, um vertiefend Alternativen, Kompromisse und mögliche Finanzierungsoptionen zu prüfen.
GAK 1902 gegen SK Sturm Graz
In der öffentlichen Debatte werden GAK 1902 und SK Sturm Graz häufig als zentrale Akteure der kommunalen Sportförderdiskussion wahrgenommen; beide sind neben den Graz99ers Teil des gemeinsamen Statements. Die Überschrift benennt daher zwei prominente Vereine als beispielhafte Bezugspunkte der Auseinandersetzung, ohne damit ein konkretes sportliches Duell anzudeuten.
Die Nennung dieser Klubs in Überschriften und Beiträgen unterstreicht die Breitenwirkung der Diskussion in Graz, da beide Vereine unterschiedliche Traditionen, Zielgruppen und wirtschaftliche Profile repräsentieren, die zusammen die Vielfalt der lokalen Sportlandschaft widerspiegeln.
21.10.2026 · Klubstatement · Gemeinsame Pressemitteilung
Das gemeinsame Statement wurde am 21. Oktober 2026 als erste koordinierte öffentliche Reaktion der drei Klubs veröffentlicht. Es fasst die Ergebnisse des ersten Treffens zusammen, benennt die wichtigsten Zahlen und formuliert die Bitte um einen konstruktiven Dialog mit der Stadt Graz.
Die Vereine kündigten darin an, dass in einer nächsten Phase die Präsidenten und Geschäftsführer erneut zusammenkommen sollen, um detailliertere Maßnahmen, mögliche Kompromisslösungen und die weitere Kommunikationsstrategie zu besprechen.
Offene Zahlen: Rückflüsse und Werbewert
In der von den Klubs vorgelegten Gegenüberstellung werden die jährlichen „Rückflüsse“ an die Stadt und der angenommene Werbewert der Kooperationen offengelegt. Als jährliche Zahlungen an die Stadt werden unter anderem Kommunalsteuer, Stadion‑ und Eishallenmieten sowie Energiekosten mit einer Gesamtsumme von 2,8 Millionen Euro angegeben. Diese Positionen bündeln direkte wirtschaftliche Leistungen, die aus dem Betrieb der Vereine resultieren.
Den Werbewert, den die Vereine aus Sicht der Kooperationen der Holding Graz liefern, schätzen die Klubs gemeinsam auf 5,3 Millionen Euro pro Jahr. Demgegenüber stehen direkte Sponsoring‑ und Förderzahlungen der Holding Graz bzw. der Stadt an die Vereine in Höhe von 905.000 Euro jährlich. Die Darstellung soll die Nettoeffekte hervorheben und als Basis für eine sachliche öffentliche Debatte dienen.
Reaktionen der Vereinspräsidenten und Argumentationslinie
René Ziesler (GAK 1902) betonte, dass die Kooperationen mit der Holding Graz vornehmlich als wirkungsvolle Werbemaßnahmen zu sehen seien und dass die Klubs Einnahmen nicht als Gewinne an Eigentümer abführen, sondern vollständig in die Vereinsarbeit reinvestieren; in diesem Kontext nannte er die Bedeutung der finanziellen Basis für die Nachwuchsarbeit.
Herbert Jerich (Graz99ers) kritisierte den Stopp als mangelnde Wertschätzung gegenüber den Spitzenklubs und forderte weitere Gespräche. Christian Jauk (SK Sturm) wies darauf hin, dass sein Verein netto mehr an die Stadt zurückführe, als er erhalte, und verwies auf die volkswirtschaftliche Relevanz sowie die von ihm genannten 500 gesicherten Arbeitsplätze; er forderte einen runden Tisch statt medialer Kommunikation.
Bedeutung für Nachwuchsarbeit und Beschäftigung
Die Klubs machen deutlich, dass finanzielle Einbußen direkte Folgen für die Nachwuchsarbeit, Frauenteams und integrative Projekte (Beispiel: Special Blackies) haben könnten. Sie führen aus, dass sich die Förderung dieser Bereiche nicht allein durch Elternbeiträge und einzelbetriebliche Förderungen tragen lasse, sondern auf einer gesicherten Gesamteinnahmensituation beruhe.
SK Sturm verweist zusätzlich auf die ökonomische Wirkung seines Betriebs in der Steiermark und nennt die gesicherten Arbeitsplätze als Indikator für die Bedeutung des Vereins über den Sport hinaus. Diese Argumente dienen dazu, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz der Vereine im kommunalen Kontext zu unterstreichen.
Nächste Schritte und Forderungen an die Stadt Graz
Konkret planen die Vereine eine Gesprächsrunde der Präsidenten und Geschäftsführer, um mögliche Kompromisslösungen, alternative Finanzierungswege und die Kommunikationsstrategie zu erarbeiten. Die Klubs halten an der Forderung fest, einen runden Tisch mit der Stadt einzuberufen, um die finanziellen Zusammenhänge und die Bedeutung der Vereine für Sport, Jugendförderung und Arbeitsplätze gemeinsam zu beraten.
Details zu kommenden Treffen und mögliche Ergebnisse sollen laut Klubangaben in weiterer Folge gemeinsam kommuniziert werden; die Vereine betonen, dass sie bereit seien, sachorientiert an Lösungen mitzuwirken.
Einordnung und Perspektiven für die Grazer Sportlandschaft
Mit der Veröffentlichung der Zahlen wollen die Klubs die Debatte versachlichen und die ökonomischen Beziehungen zwischen Kommune und Profi‑Sport besser sichtbar machen. Indem sie die Nettoeffekte herausstellen, zielen die Vereine darauf ab, die Entscheidung über den Sponsoring‑Stopp im breiteren fiskalischen Kontext zu verhandeln.
Ob die gemeinsame Strategie zu einer Wiederaufnahme von Sponsoringleistungen, zu alternativen Finanzierungsmodellen oder zu weiteren Kompromissen führt, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass GAK 1902, Graz99ers und SK Sturm in der Sache enger zusammengerückt sind und künftig schrittweise weitere Informationen und Ergebnisse ihrer Gespräche veröffentlichen wollen.
